Zur Brust genommen

Ich selbst hatte die Sache längst vergessen.
Immerhin lag das Ganze über zwanzig Jahre zurück!
Eine Kollegin und Freundin erinnerte mich lachend daran:
„Wenn Du mir das Geld nicht erklären kannst, wer dann?“
„Wie meinst Du das?“
„Nun, ich habe schon oft davon erzählt und werde es wohl nie vergessen!“
Mein fragender Blick ließ sie weiter sprechen:
„Du hattest bereits unzählige Male vergeblich versucht, einer Gruppe zukünftiger Maurer das Umstellen von mathematischen Gleichungen zu erklären.
Sie brauchten dieses Wissen zwingend, um den theoretischen Teil ihrer Gesellenprüfung bestehen zu können.
Ich war zufällig im Raum, als ich dich plötzlich sagen hörte:
„Jetzt ein letztes Mal: Wenn ihr in einer mathematischen Gleichung auf einer Seite etwas subtrahiert, dann müsst ihr das auch auf der anderen Seite tun!
Und wenn ihr etwas addiert, dann ebenfalls auf beiden Seiten der Gleichung!
Sonst ist es keine Gleichung mehr!
Stellt euch doch einfach mal vor, dass eure Freundin sich die Brüste vergrößern lassen möchte! Würde sie das dann nur auf einer Seite tun? Oder würde sie, wenn ihre Brüste ihr zu groß erscheinen sollten, nur eine davon verkleinern lassen? Wohl kaum!
Wenn schon eine Brustvergrößerung, also wenn etwas dazu kommt, dann auf beiden Seiten. Und wenn eine Brustverkleinerung, dann natürlich auch, na, was denkt ihr?“
Lachend erklärte sie mir, dass sie bis heute den Chor der angehenden Maurer im Ohr hätte:
„Auf beiden Seiten!““
Meine damaligen Schüler haben ihre Prüfung allesamt bestanden.
Ob sie dabei an die Brüste ihrer Freundinnen dachten, werden wir nie erfahren.
Allerdings, und deshalb beginne ich mit dieser bizarren Geschichte, würde der Gedanke an größere und kleinere Brüste vielleicht auch gestandenen Ökonomen dabei helfen, zu verstehen, was sie unterrichten.
Denn wie sonst soll ich mir erklären, dass Professoren der Betriebswirtschaftslehre und andere sogenannte „Experten“, von einer „Geldschöpfung aus dem Nichts“ faseln?
Grundlagenwissen aus dem Buchungswesen, die Einsicht in die Tatsache, dass „Soll“ und „Haben“ in einer Bilanz IMMER gleich groß sein müssen, reichen völlig aus, um einzusehen, dass es ein größeres „Haben“ (Geld) ohne ein größeres „Soll“ (Schuld) nicht geben kann.
Denn wie erkannten angehende Maurer so treffend:
„Wenn schon, dann auf beiden Seiten!“