Rettet Fracking die USA?

Zahlreiche europäische Institutionen vertreten in diesen Tagen medienwirksam die Ansicht, Europa käme in Zukunft auch ohne russische Erdgaslieferungen aus, einer weiteren Gasleitung aus Russland bedürfe es nicht.
Und außerdem, so die immer lauter werdenden Stimmen derjenigen, die sich gegen Lieferungen von russischem Erdöl und Erdgas aussprechen, hätten die befreundeten USA ausreichend Möglichkeiten, Europa in Zukunft mit verflüssigtem Erdgas, gewonnen durch Fracking, zu versorgen.
Anfangs war ich geneigt, das Ganze für ausgemachten Schwachsinn zu halten und als solchen abzutun.
Inzwischen steht für mich die Frage im Raum, ob sich hinter dem zur Schau getragenen Selbstbewusstsein der USA und deren Vertretern in Europa nicht ein geradezu monströses Problem versteckt?
Jedenfalls will es mir einfach nicht gelingen, mir vorzustellen, Erdgas im aufwendigen Fracking- Verfahren in den USA zu fördern, dieses aufwendig zu verflüssigen, nicht minder aufwendig über den Atlantik zu transportieren und mit all dem wirtschaftlicher sein zu können, als russische Lieferanten, welche ihr Erdgas mittels Pipelines nach Europa transportieren.
Bleibt die Frage, weshalb die USA dann trotzdem an diesen mir aberwitzig erscheinenden Plänen festhalten?
Die Antwort liegt wohl wieder einmal im Schuldgeld begründet.
Erdgas mittels Fracking zu fördern, ist sehr teuer.
Amerikanische Unternehmen mußten sich, um überhaupt fördern zu können, gigantische Mengen Kredite bei Banken aufnehmen.
Die geschäftliche Idee dahinter ist so einfach wie verhängnisvoll.
Solange die hochverschuldeten Fracking- Unternehmen ihr Gas zu vernünftigen Margen verkaufen können, werden die Kredite zuverlässig bedient. Gelingt ihnen dies nicht, platzen sie.
Und hierbei dürfte es sich nicht um Kleingeld handeln!
Amerikanische Banken verleihen also riesige Summen an amerikanische Fracking- Unternehmen, damit diese Gas fördern und gewinnbringend verkaufen mögen.
Aus den Verkaufserlösen werden Zinsen und Schulden bedient, werden die Banken glücklich gemacht.
Soweit ein guter Plan!
Was aber, wenn dieser nicht aufgeht?
Was, wenn die inzwischen unzähligen Fracking- Unternehmen soviel Erdgas fördern, dass der eigene Markt unter dem Überangebot kollabiert?
Dann behauptet man, „der Russe“ bedrohe mit seinen Erdgaslieferungen die Freiheit Westeuropas, verbietet amerikanischen Unternehmen und Banken, mit russischen Unternehmen Geschäfte zu machen und unterstellt, auf den Russen als Geschäftspartner sei ohnehin kein Verlass.
Und liefert überteuertes Erdgas an verängstigte Europäer, denen „der Russe“ schon immer eine Bedrohung war.
Was tut man nicht alles, um amerikanische Banken zu retten.