Herrschaftswissen

Anfangs war es die Suche nach einer einfachen Antwort auf eine einfache Frage.
Mit der Zeit wurde daraus die Suche nach der Wahrheit.
Denn nur selten zuvor fühlte ich mich so belogen, manipuliert und für dumm verkauft, wie auf meiner Suche nach der Antwort auf die so einfach erscheinende Frage:
Was ist Geld?
Nur sehr mühsam und auf vielen Umwegen verstand ich, dass das Wissen über Geld von nicht wenigen meiner Mitmenschen als Herrschaftswissen angesehen und akzeptiert wird.
Würde ich gefragt, wieviele der von mir Angesprochenen sich für Geld interessierten, dafür, was Geld ist und woher es kommt, dann wäre meine Antwort, dass es verschwindend wenige waren.
Das wundert mich bis heute.
Immerhin muss ich davon ausgehen, dass die meisten meiner Gesprächspartner nicht übermäßig viel Geld haben, dafür aber um so mehr Schulden.
Ehrliches Interesse begegnete mir, wenn überhaupt, immer bei solchen Menschen, bei denen ich durchaus einiges Geld vermuten durfte.
Ganz offensichtlich, so mein Eindruck, wissen die am wenigsten über Geld, die am wenigsten davon haben.
Und diese Personengruppe interessiert sich auch dann nicht dafür, wenn man sie auf ihre Wissenslücke aufmerksam macht.
Die wenigen, die sich für Geld interessieren, beziehen ihr Wissen aus Videos auf Youtube, aus Talkshows im Fernsehen und aus der Bildzeitung.
Wobei ich ihnen das keineswegs vorwerfe, denn Wissen über Geld wird nicht an den Schulen gelehrt.
Warum eigentlich nicht?
Nun, zumindest diese Frage kann ich halbwegs zuverlässig beantworten.
Weil nach meiner Erfahrung viele Lehrer an deutschen Schulen nicht die geringste Vorstellung davon haben, was Geld ist.
Als Lehrer weiß ich, wovon ich spreche.
Wenn es jedoch darum geht, die ihnen anvertrauten Kinder gegen Banken und gegen das Kapital zu mobilisieren, dann stehen sie in der zweiten Reihe.
Direkt hinter ihren Schülern.