Goldige Zeiten

Seit Menschen das Geld als eine deutliche Erleichterung ihres Alltages für sich entdeckt haben, beschäftigen sie sich mit der Frage, wie dieses Geld am besten beschaffen sein sollte.
Heraus kamen, zumindest aus heutiger Sicht, die skurrilsten Ideen.
Muscheln, Federn – die Liste der als Geld verwendeten Dinge ist lang.
Allerdings, und diese Frage drängt sich auf: Sind bunte Federn und seltene Muscheln als Geld wirklich so viel skurriler als bunt bedrucktes Papier oder Zahlen in einem Computer?
Die Entscheidung überlasse ich Ihnen.
Und doch muß diese Frage recht viele Menschen schon recht lange beschäftigen, denn die Suche nach dem „idealen“ Geld scheint einfach nicht enden zu wollen.
Dabei scheint ein „Stoff“ über Jahrtausende menschlicher Evolution hinweg seinen Reiz nie wirklich verloren zu haben, das Gold.
Dabei liegen die Gründe für die Faszination, die vom Gold ausgeht, scheinbar deutlich sichtbar auf der Hand:
1. Gold ist ein knappes Gut
Ohne eine verbindliche Zahl nennen zu wollen oder zu können, ist mir in meinem Leben schon häufig folgendes Bild begegnet: Würde alles jemals auf Erden geförderte Gold in einen großen Würfel gegossen, hätte dieser eine Kantenlänge von gerade einmal 20 Meter! Ob es inzwischen 21 oder auch 25 Meter sind, spielt für die ungeheure Wucht dieses Bildes, denke ich wenigstens, keine Rolle. Fakt ist und bleibt: Gold ist nicht in beliebiger Menge verfügbar.
2. Gold hat außergewöhnliche Eigenschaften
Abgesehen davon, dass Gold nicht oxydiert (was mich persönlich sehr beeindruckt), hat es eine besonders gute elektrische Leitfähigkeit, was es für die Elektroindustrie sehr begehrenswert macht.
Weitere außergewöhnliche Eigenschaften, wie leichte Verformbarkeit und eine von vielen Menschen als schön empfundene Farbe, machen es für die Herstellung von Schmuck so bedeutend.
Ist Gold also das Material, das sich perfekt als Geld eignet?
Die Antwort ist ein klares Jein.
Denn zuerst einmal ist Gold eine Ware.
Das Geld hingegen, um das es hier geht, ist ein Recht.
Das „perfekte“ Geld hat es nie gegeben und, so meine Erwartung, wird es auch nie geben.
Geld brachte und bringt immer eine Vereinbarung zwischen Menschen zum Ausdruck. Es wird immer ein materialisiertes Vertrauen zwischen Menschen sein.
Geld ohne Vertrauen, ohne eine unbewußte oder bewußte Übereinkunft hinsichtlich seines Wertes, kann es nicht geben.
Gold macht darin keine Ausnahme.
Solange viele Menschen in Gold einen „Wert“ sehen, worin immer der auch bestehen mag, sei es die Arbeit, die zu seiner Gewinnung geleistet werden muß, oder sei es sein Gebrauchswert, solange also Menschen darin übereinstimmen, dass Gold etwas ist, das seinem Besitzer einen „geldwerten“ Vorteil verschafft, solange wird Gold ein Mittel zur Wertaufbewahrung, aber auch ein Tauschmittel sein.
Gemessen am Aufwand, der betriebene werden muß, um es zu gewinnen, allemal werthaltiger als bunt bedrucktes Papier oder Zahlen in einem Computersystem.
Wer jetzt allerdings meint, ich hielte Buchgeld und Papiergeld grundsätzlich für wertlos, der irrt.
Denn Geld ohne Wert ist wert-los und somit kein Geld.