Die Bank hat Schuld

Man kann sagen, dass eine Bank an die Stelle des Schuldners (des Kreditnehmers) tritt, wie man am Beispiel eines Liegenschaftskaufs leicht erkennen kann.
Bei Betriebs- oder Baukrediten usw. gilt dies natürlich analog.

Darstellung: Oeconomicus criticus
Piktogramme: pixabay.com

Nur ein Narr würde wohl behaupten, die neue Schuld der Hauskäufer sei aus dem Nichts entstanden.
Nun übernimmt die Bank die Schuld der Hauskäufer gegenüber dem Hausverkäufer.
Selbstredend hat nun der Hausverkäufer ein Guthaben bei der Bank statt gegenüber den Hauskäufern.
Die Hauskäufer sind nun nicht mehr Schuldner gegenüber dem Hausverkäufer, sondern gegenüber der Bank, denn die Bank hat ja ihre Schuld übernommen.
Da die Schuld der Bank gegenüber dem Hausverkäufer Buchgeld genannt wird, ist dieses Buchgeld neu entstanden.
Kann man denn da allen Ernstes behaupten, dieses Buchgeld sei aus dem Nichts entstanden, wo wir ja gesehen haben, dass die Schuld aufgrund der Übereignung der Liegenschaft entstanden ist?
Dieses Buchgeld ist entstanden aus der Übernahme ebendieser Schuld durch die Bank!
Oder wenn man die Sicht umkehrt, stellt der Hausverkäufer das Haus auf Kredit zur Verfügung und erhält daher von der Bank eine Gutschrift.
Die Bank reicht dann diesen Kredit an den Hauskäufer weiter. Auch aus dieser Sicht ersieht man, dass die Bank nicht Geld aus dem Nichts schöpft, sondern Mittlerin ist zwischen Warenempfänger und Lieferant resp. Lieferant und Warenempfänger. Der Hausverkäufer ist also Kreditor (= Kreditgeber) der Bank und die Bank ist Kreditgeberin an den Hauskäufer.
Kann man daher sagen, die Bank verleihe Spargelder?
Nein!
Der Kreditgeber liefert eine Ware, beispielsweise ein Haus, auf Kredit.
Dies ermöglicht der Bank, dem Hauskäufer einen Kredit einzuräumen.
Statt dass in diesem Beispiel der Hausverkäufer dem Hauskäufer das Haus auf Kredit liefert, erteilt er der Bank den Kredit und erhält daher eine Gutschrift derselben.
Diese Gutschrift wird Buchgeld genannt und ist eine Bargeldschuld der Bank.
Wenn nun der Hausverkäufer dieses Bargeld bezieht oder sein Guthaben auf eine andere Bank und/oder an jemand anders überweist oder sein Konto bei einer anderen Bank hat, muss sich die Bank im Umfang dieses Kredits, der ihr ja damit entzogen wurde, refinanzieren, denn dies ist ein Liquiditätsabfluss.
Sie sehen also, dieses Buchgeld wurde nicht „aus dem Nichts geschöpft“, sondern ist die Bestätigung des Kredits des Warenlieferanten an die Bank!
Hätte der Lieferant keine Ware geliefert, hätte er keine Gutschrift erhalten und es gäbe auch keinen Warenempfänger und daher auch keinen Kredit an einen solchen.

Hatte der Hauseigentümer beim Kauf des Hauses das Bargeld dafür?
Nein, er ist eine Schuldverpflichtung eingegangen.
Weshalb verlangt man denn von der Bank, dass sie bei der Übernahme der Schuld entsprechend Bargeld halten müsse und behauptet vollmundig, es sei „fractional reserve“, wenn die Bank das entsprechende Bargeld nicht habe?
Darauf kommen wir auf der Seite Teilreserve zurück und werden sehen, dass auch diese Argumentation eine krasse Verkennung der Tatsachen ist.
Ebenso wird nun klar, dass auch eine Zentralbank nicht einfach schuldfreies Geld kreieren kann, wie sich das die Vollgeldfantasten vorstellen.
Niemand würde sein Haus verkaufen gegen ein paar bunt bedruckte Papierfetzen.
Erst die Deckung des Papiergeldes gibt ihm seinen Wert!

Wenn jemand also behauptet, eine Geschäftsbank schöpfe Geld oder gar Geld aus dem Nichts, ist das Hirnwäsche, die sich zunutze macht, dass das Wort Buchgeld das Wort Geld und die Definition von Geld Buchgeld beinhaltet.
Buchgeld ist und bleibt eine Forderung auf Bargeld (resp. von der Bank aus gesehen eine Schuldanerkennung auf Bargeld) und ist nicht per se Bargeld.
Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel, Buchgeld einer Geschäftsbank allerdings nicht.
Eine Geschäftsbank schöpft – oder besser: gewährt – Kredit, woraus sie dann eine Verpflichtung auf Auszahlung von Bargeld anerkennt (oder Bargeld auszahlt).
Diese Verpflichtung schreibt sie dem Guthabenkonto des Empfängers gut, welche als Buchgeld bezeichnet wird.
Da sie diesen Kredit nicht aufgrund von nichts gewährt, kann man auch nicht behaupten, die Bank schöpfe (Buch-) Geld aus dem Nichts!
Somit muss man eindringlich festhalten:
Eine Geschäftsbank „schöpft“ nicht Geld, sondern Buchgeld!
Wissenschaft arbeitet mit klar definierten Begriffen.
Werden Begriffe durcheinander gewirbelt, entsteht daraus ein Wischiwaschi, das mit Wissenschaft nichts mehr zu tun hat, sondern mit Verwirrung und Hirnwäsche.

Darstellung: Oeconomicus criticus

Weshalb also nicht einfach „Geldproduktion“ statt „Geldschöpfung“ oder gar „Geldschöpfung aus dem Nichts“?
Oder aber ganz einfach und zutreffend Forderungstausch, denn die Bank stellt eine Forderung auf Bargeld gegenüber dem Kunden (auf der Aktivseite der Bilanz, Kredit genannt) einer ebensolchen des/eines Kunden gegen die Bank, also sich selber (auf der Passivseite der Bilanz, Guthaben genannt), gegenüber?
Oder aber ganz einfach Schuldübernahme?
Weil dann die Hirnwäsche nicht mehr funktionieren würde!
Mit Binsenweisheiten kann man keine Hirnwäsche betreiben; da muss man sie schon hochstilisieren, dämonisieren und skandalisieren und sie alsdann in einen nichtssagenden, aber umso eingänglicheren Slogan verpacken.
Dabei ist offensichtlich, dass es im Ergebnis auf exakt dasselbe herauskommt, ob der Kredit bar ausbezahlt und dann vom Geldempfänger gleich wieder einbezahlt wird (Kredit/Kasse – es wird zwar m.W. immer via Buchgeld gebucht, also nur theoretisch verstehen(!) – sowie Kasse/Buchgeld – gekürzt also: Kredit/Buchgeld), oder einfach direkt gutgeschrieben wird (Kredit/Buchgeld).
Ab dem Konto kann sodann das Geld wiederum jederzeit bezogen werden… (also Buchgeld/Kasse).
Das Wort Geldproduktion würde den Vorgang auch treffend beschreiben, denn die Banken haben die Aufgabe, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen.
Die Wertschöpfung, die dem Geld zugrunde liegt, erfolgt ohnehin und nur durch Arbeit. Die Arbeitenden schöpfen den Reichtum, nicht die Banken, diese stellen nur das „Schmiermittel“ Geld zur Verfügung.

Wenn Sie Bargeld auf Ihr Bankkonto einzahlen, würden Sie dann auch behaupten, die Bank schöpfe Geld aus dem Nichts?
Aha.
Aber dieses Buchgeld hat ja vorher nicht bestanden, und Ihr Geld stammt mit einiger Wahrscheinlichkeit von einem Kredit an Ihren Arbeitgeber, falls Sie Arbeitnehmer sind!
Der Arbeitgeber hat zur Lohnzahlung sein Kontokorrent belastet und Ihnen den Betrag gutschreiben lassen.
Danach haben Sie das Geld vom Konto bezogen und die Bank hat Ihr Konto entsprechend belastet.
Hat da die Bank das Geld bei Ihrem Bezug ent-schöpft?
Das Buchgeld ist ja dann verschwunden im Nichts und Sie haben (nur noch) Bargeld in der Hand!
Folglich hat sie das Geld ins Nichts ent-schöpft…?
Und jetzt wollen Sie das Geld wieder einzahlen und die Bank schreibt Ihnen den Betrag auf Ihrem Konto gut, aber sie schöpft dabei doch wohl nicht Geld aus dem Nichts, nicht wahr – oder doch?
Und wenn Ihr Arbeitgeber seine Produkte verkauft und das Geld dafür auf seinem Kontokorrent eingeht, dann ent-schöpft die Bank das Geld wieder?
Oder heisst es entleert oder ausgeleert?
Was ist das Gegenteil von Geldschöpfung?
Vielleicht Geldvernichtung?
Na gut, dann ist die Bank also nicht bloss Schöpferin, sondern auch Vernichterin.
Der Kaufmann kennt zwei zutreffende und simple Worte: dem Konto gutschreiben oder belasten.
Wieso wird von der Geldvernichtung ins Nichts nirgends etwas erzählt?
Durch genannte Vorgänge wird kein einziger zusätzlicher Cent Zentralbankgeld geschaffen.
Kann man diese Vorgänge somit ehrlicherweise als Geldschöpfung bezeichnen?

„Geldschöpfung aus dem Nichts“ kann man nur so verstehen, dass dieses (Buch-!)Geld vorher nicht bestanden hat. Alles andere ist Humbug. Es dürfte jedem einleuchten, dass eine Schuldanerkennung nicht bestanden hat, solange sie nicht ausgestellt wurde. Das ist Plattitüde. Daher sagt die Aussage „Geldschöpfung aus dem Nichts“ nichts aus und zeigt, dass sie reine Propaganda ist.

Warum schreibe ich das alles so ausführlich?
Weil da Gerüchte und Falschinformationen zuhauf herumgeistern!
Es sei hier nun einmal klar geschrieben, wie es sich in Wahrheit verhält!
Selbst einige gestandene Professoren verstehen das nicht!
Darum wird auf späteren Seiten nochmals darauf zurückgekommen.

Die Bank „verflüssigt“ bei einem Hypothekarkredit die vom Kunden hinterlegte Sicherheit (das Kapital). Bei einem Haus beispielsweise wird eine Hypothek auf das Haus aufgenommen und im Grundbuch vermerkt . Die Bank bucht den besicherten Kredit dann als Aktivum in die Bilanz ein und als Passivum schreibt sie dem Hauseigentümer oder dem Verkäufer Buchgeld auf das Konto gut => sie „schöpft“ (Buch-!)Geld. Dieses Buchgeld war vorher nicht vorhanden, weshalb man oft hört, dass sie Geld aus dem Nichts schöpft. Das wird dann leider oft falsch ausgelegt oder verstanden!

Gäbe es die Möglichkeit der „Verflüssigung“ von langfristig investiertem Kapital nicht, müssten viele Leute ihr Haus im Alter verkaufen, weil sie Bargeld benötigen, aber keinen Kredit bekämen! Aber das ist keine Geldschöpfung aus dem Nichts, sondern Mobilisierung des ins Haus im Laufe des Lebens investierten Kapitals. Oder anders ausgedrückt, wird mit der Kreditierung die geleistete Arbeit offiziell quittiert. Volkstümlich ausgedrückt: Wird dieses Haus verkauft oder beliehen, so „wird es wieder zu Geld“ (natürlich nur für den Verkäufer, der Käufer hat das Geld dann weniger, aber das Haus bleibt) – das geschöpfte (Buch-!)Geld ist also nicht aus dünner Luft, sondern hat einen handfesten Hintergrund. Wird die Hypothek zurückgezahlt, verschwindet das Geld, aber nicht das Haus.
Wer etwas anderes behauptet, sagt schlicht und einfach nicht die Wahrheit oder weiss nicht, wovon er redet.

Wenn man es demnach ganz genau nimmt, fungibilisiert (macht handelbar) resp. mobilisiert (macht verfügbar, mobil) die Bank langfristig gebundenes Kapital, indem sie sich verschuldet. Wörtlich „schöpft“ sie also Buchgeld, weil dieses vorher nicht vorhanden war; das Kapital war in einer Investition gebunden, war sozusagen eingefrorene geleistete Arbeit, welche man mit der Kreditierung (statt Verkauf) handelbar macht. Das dann allerdings als „Geldschöpfung aus dem Nichts“ zu bezeichnen, ist schlicht und einfach Nonsens.

Autor : Oeconomicus criticus