Entschuldung durch Inflation

Oft hört man das Argument derer, die sich verschulden, um Spekulationsgewinne zu erzielen, sie würden ihre Schulden schließlich in „schlechterem“ Geld zurückzahlen, als sie sich geliehen haben, da dieses zwischenzeitlich durch die Inflation an Wert verloren hätte.
Diese Sichtweise ist derart weit verbreitet, dass es sich lohnt zu prüfen, ob sie richtig ist.
Tatsache ist, dass in Zeiten steigender Preise Spekulationsgewinne erzielt werden können.
Wer einen Kredit von 100.000 Euro aufnimmt, um ein Haus zu kaufen, welches er wenig später für 200.000 Euro wieder verkaufen kann, hat selbst bei Berücksichtigung aller Handels- und Zinskosten vermutlich einen Gewinn erzielt.
Einfach ausgedrückt, kann er seine Schulden zurück zahlen und behält immer noch etwas über.
Dieses Spiel funktioniert besonders am Anfang einer Preisinflation recht zuverlässig, weshalb immer mehr Marktteilnehmer daran teilnehmen.
Wer möchte schließlich gern zusehen, wie der Nachbar durch Spekulation reich wird, während man selbst für sein Geld hart arbeiten muß?
Es dürfte genau dieser Effekt sein, der dazu führt, dass nicht nur die Anzahl der Marktteilnehmer, sondern auch die Anzahl der spekulativen Geschäfte in einem inflationierenden Markt exponentiell zunehmen.
Die Frage aller Fragen ist: wie lange geht das gut?
Die Antwort auf diese Frage ist einfach: dieser Markt funktioniert, solange die erzielten Spekulationsgewinne größer sind als die Kosten, welche durch die Spekulation entstehen!
Um das zu verdeutlichen, bietet sich wieder der Kauf eines Hauses als Beispiel an:
Auch wenn es von privaten Immobilienkäufern regelmäßig und gern übersehen wird, ist der Kauf eines Hauses mit erheblichen Kosten verbunden.
Neben dem eigentlichen Kaufpreis fallen noch sogenannte „Kaufnebenkosten“ an, wobei selbst dieser Begriff schon irreführend ist.
Kosten sind Kosten.
Im Falle eines Immobilienkaufs kommen durch Grunderwerbssteuer, Maklerprovision und andere „Nebensächlichkeiten“ schnell 10%  des Kaufpreises als zusätzlich zu zahlende Kosten für den Erwerber zusammen!
Der spekulative Käufer muß also das erworbene Objekt für mindestens 10% mehr verkaufen, als er selbst dafür bezahlt hat, um zuerst einmal seine Kosten zu erwirtschaften!
Um einen Gewinn zu erzielen, und nur so macht eine Spekulation Sinn, muß der Verkaufspreis noch einmal deutlich höher sein.
Geschäfte dieser Art fußen also auf der Erwartung des Spekulanten, dass der zu erzielende Wiederverkaufspreis die eigenen Kosten übersteigt und somit ein Gewinn erzielt werden kann.
Jedem Beobachter wird angesichts dieser Umstände klar, wann diese Art von Geschäften endet:
In dem Augenblick, in dem die Kosten der Spekulation höher sind, als die zu erzielenden Spekulationsgewinne, endet dieses „Spiel“ abrupt.
Da die steigenden Preise der Häuser letztendlich nichts anderes sind als die Folge des inflationierenden Geldes, hervorgerufen durch verstärkte Kreditaufnahmen, kann zusammenfassend festgehalten werde:
Die Inflation des Geldes wird sich solange fortsetzen, wie die Kosten dieser Inflation nicht höher sind, als mögliche Inflationsgewinne.
In Zeiten von Null- und Minuszins sollte sich dieser Zeitpunkt enorm in die Zukunft verlagert haben, denn die Zinskosten der Inflationsspekulation waren im historischen Vergleich noch nie so niedrig.
Nur sollte jedem Marktteilnehmer bewußt sein, dass auch in diesen Tagen jede Spekulation Kosten verursacht und diese Kosten durch Inflationsgewinne zuerst einmal „erwirtschaftet“ werden müssen!
Auch darf nicht übersehen werden, dass diese Kosten keinerlei Mehrwert erzeugen, das Spekulationsobjekt für den potentiellen Käufer somit zwar teurer, aber nicht mehr wert wird!
Und auch dem potentiellen Käufer des Spekulationsobjektes entstehen Kosten, die sich letztendlich im zu erzielenden Kaufpreis niederschlagen müssen, denn der Käufer kann sein Geld nur einmal ausgeben bzw. erhält auch er nur einen Kredit, der sich im „Wert“ des Objektes wiederfinden muß.
Weil es für das Verständnis dieser Zusammenhänge von enormer Bedeutung ist, wiederhole ich noch einmal:
Die Inflation des Geldes wird sich solange fortsetzen, wie die Kosten dieser Inflation nicht höher sind, als mögliche Inflationsgewinne.
Und ich ergänze: Ist dieser Zeitpunkt erreicht, verharren die Preise nicht etwa auf dem hohen Niveau, auf welches die Inflation sie getrieben hat, sondern es kommt wegen des nicht mehr neu erzeugten Geldes (wegen der einbrechenden Kreditnachfrage) ohne jeden Übergang zur Deflation.
Welche die Preise einbrechen läßt.