Vollgeld

Dass nicht die Zentralbank die Werte schöpft, sondern die hart arbeitenden Menschen, dürfte wohl jedem auf dem Boden der Realität stehenden Arbeiter klar sein, offensichtlich aber nicht den sich in ihren eigenen Theoriegebäuden verlaufenden ewigen Schulstubenhockern.
Folgende Denkfehler der Vollgeldanhänger seien beispielhaft genannt:
1. Sie differenzieren nicht, dass Buchgeld für einen Bürger zwar Vermögen ist, für die emittierende Bank allerdings eine Schuld.
Daher assoziieren sie, das das von der Bank emittierte Buchgeld auch Vermögen sei.
Wären die sich dessen bewusst, merkten sie auch, dass eine Bank nicht aus dem Nichts einfach Schulden macht.
Würden sie sich das einmal überlegen, wäre ihnen klar, dass „Schuldschöpfung aus dem Nichts“ zu recht ziemlich dumm tönt und wäre.
2. Indem sie meinen, Geld könnte aus dem Nichts geschöpft werden, glauben sie auch, dass plötzlich Geld vom Himmel regnen könne.
Einfach so.
Und schuldenfrei.
Wie schön.
3. Das Leben lang in der Schulstube, haben sie nie bemerkt, dass Menschen für Geld arbeiten müssen, dass also Geld aus der Produktion von Gütern entsteht.
Wenn man den ganzen Tag lang nur seinen Theorien nachsinnt und haufenweise Bücher liest, und dann auch noch glaubt, was da drin steht, ohne selber nachzudenken, heißt das noch lange nicht, dass man klug und nicht von der Realität völlig abgehoben ist.
4. Weil sie nicht merken, dass nicht die Zentralbank die Werte schöpft, sondern das Volk, stellen sie die Welt auf den Kopf.
5. Weil sie nicht verstehen, was die Hauptaufgabe der Banken ist, nämlich die Fristentransformation, verstehen sie auch das Geschäft der Banken nicht einmal im Ansatz.
Ein Hausverkäufer möchte sofort über das Geld verfügen, das der Hauskäufer noch nicht hat.
Sie aber meinen, die Banken müssten alles Buchgeld mit Bargeld gedeckt haben und übersehen dabei die Forderungen, Wertpapiere usw. in den Aktiven der Bilanz, die nicht Nichts wert sind, sondern eben genau dieses Buchgeld decken mit Werten, statt mit Zettelgeld, das sie aus dem Nichts schöpfen wollen.

Autor: Oeconomicus criticus