Gesell-Geld / Schwundgeld / Freigeld

Um den Zinseszinseffekt zu eliminieren, schlagen gewisse Kreise vor, einen Negativzins auf das Geld einzuführen.
Auch begründen sie das damit, dass das Geld schnell umlaufen solle.
Dazu ist zu bemerken: Zinsen sind nötig,
1. damit Geld gespart wird und damit Investitionen ermöglicht werden (Kreditgeber verlangen Eigenkapital),
2. damit Geld verliehen wird und
3. weil zudem der Marktzins (nicht Leitzins) ein Wegweiser für Investitionen ist, da er Mangel anzeigt (von einem Marktzins sind wir im jetzigen System allerdings weit entfernt, weshalb es immer wieder Blasen gibt, die dann platzen).
Von der Illusion des Geldumlaufs haben wir schon gesprochen.

Einige Kritikpunkte

1. Gesellgeld verlangt, dass man die umlaufenden Noten entwertet, beispielsweise mit Stempel oder Klebemarken. Wie lange geht es da wohl, bis man den Leuten erklärt, dass das ziemlich umständlich ist, sie sollen doch bitte alles papiergeldlos erledigen? Die Anonymität ist dann vollends dahin, die totale Überwachung wird Realität.
Wie lange geht es dann, bis man den Menschen erklärt, das Plastikkärtchen sei doch so unsicher, man solle sich doch bitte einen Chip in die Hand machen lassen?
Dann ist alles nur noch auf der Bank verbucht, sämtliche Transaktionen liegen dann offen da und unliebsame Leute können so mit einem einfachen Knopfdruck ruiniert werden.
Kurz: Das Gesell-Sch(w)undgeld ist ein ausgezeichnetes Trojanisches Pferd zur Installation einer Diktatur!

2. Gesell ging von einem Geldumlauf aus. Das mag in einem Edelmetallgeldsystem auch stimmen. Gesell wollte, dass der Staat Zettel als Geld herausgibt. Auch das geht wiederum nur durch ein gesetzliches Zahlungsmittel, wie wir es derzeit haben. Aber dieses gesetzliche Zahlungsmittel hat dann keinerlei Deckung mehr und führt in die Hyperinflation. Es läuft auf eine zentrale Planwirtschaft hinaus, da der Staat dann die Geldmenge total kontrolliert.

Im derzeitigen Kreditgeld-/Papiergeldsystem läuft Geld nicht um. Die sogenannte Geldumlaufgeschwindigkeit ist ein theoretisch-mathematisches Konzept, welches mit der Praxis nichts gemein hat.
Ein Grund: Niemand kann sein Einkommen 2 x ausgeben.
Das Problem liegt an einem anderen Ort, nämlich im gesetzlichen Zahlungsmittel. Da die Geldmenge dann vom Staat gesteuert werden soll, sind wir ohnehin nahe an einer kommunistischen Zentralverwaltung.
Ein zweiter: Wird das Geld vom Händler abends zur Bank gebracht, wird es dem üblicherweise im Soll stehenden Konto-Korrent gutgeschrieben, der Firmenkredit also teilweise ausgebucht (Kreditrückzahlung = Geldvernichtung – die Geldmenge sinkt); wird es wieder geholt oder für Zahlungen verwendet, wird der Kredit aufgestockt (Kreditschöpfung = Geldschöpfung – die Geldmenge steigt). Das haben wir schon relativ detailliert besprochen. Nur am Rande erwähnt haben wir die verschiedenen Geldmengenaggregate aus Übersichtlichkeitsgründen, was wir auch hier tun. Der geneigte Leser möge sich selber informieren.
Wird also die angebliche Geldumlaufgeschwindigkeit erhöht, heisst das im Normalfall, dass Sparguthaben aufgelöst werden.
Nur durch diese Gegebenheit kann mehr konsumiert werden.
Die zunehmend durch den Zinseszinseffekt unter Druck geratenden Löhne und die damit einhergehende Verlangsamung der „Geldumlaufgeschwindigkeit“ wurden bereits erwähnt. Bei Aufnahme von Kredit fällt das Resultat ambivalent aus. Dementsprechend sinkt beim Auflösen der Ersparnisse und entsprechende Kreditrückzahlung durch den Lieferanten die Geldmenge (der Nenner) und der Umsatz (Zähler) steigt. Natürlich wird der Händler die verkauften Waren wieder einkaufen, diese wird er aber nur verkaufen können, weil und sofern die Bürger weiterhin Ersparnisse auflösen. Damit wird das falsche Konzept der sogenannten Geldumlaufgeschwindigkeit offensichtlich: Das Geld läuft nicht schneller um, sondern die Geldmenge sinkt und der Warenumsatz steigt! Jeden Tag werden Billionen um den Erdball gejagt, ohne dass dies einen Einfluss auf die Geldumlaufgeschwindigkeit hätte. Wenn der Zinssatz unter die Teuerungsrate fällt, lohnt es nicht mehr zu sparen, weil Sparen dann Verlust bedeutet. Also wird das Geld ausgegeben.

3. Sparen ist nötig, um investieren zu können (für einen Kredit wird Eigenkapital vorausgesetzt). Wird nicht investiert, verfällt die Infrastruktur, gibt es keine Fabriken und keinen Wohnraum.
Nun, da also die Prämissen geklärt sind, wird offensichtlich, dass das vorgeschlagene Schwundgeld, dessen Argumentation sich ja eben gerade auch auf die in Neusprech sogenannte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stützt, nicht bloss den Anreiz zu sparen untergräbt, sondern auch den Geldwert senkt.
Folglich wird im Schwundgeldsystem nichts oder zumindest weniger produziert, weil nicht bloss die Investitionen durch mangelnde Ersparnisse fehlen, sondern es wird auch weniger gearbeitet, weil wohl kaum jemand mehr arbeitet, als er unbedingt braucht. Der Landwirt wird sich sagen: Ich habe zu essen und dieses Geld, das seinen Wert verliert, brauche ich nicht. Wie lange geht es da wohl, bis sich Teuerung und schliesslich Hunger und Hyperinflation ausbreiten?

4. Die Gesell-Theorie, die in sich ohnehin widersprüchlich ist, konzentriert sich auf den Konsum. Aber durch Konsum lässt sich der Wohlstand nicht vergrössern. Im Gegenteil: Wohlstand entsteht durch Produktion. Aber ganz bestimmt nicht durch Konsum, denn Konsum ist genau das Gegenteil, nämlich die Vernichtung der produzierten Güter! Erst muss produziert werden, dann kann man an den Konsum denken. Und damit produziert werden kann, braucht es die Produktionsfaktoren
Wissen: Know-How und Innovation
Boden: worauf die Produkte hergestellt werden können, und
Kapital: die Investitionen, die die Produktion ermöglichen, sowie
Arbeit: die die Produkte erst herstellt, verteilt und verkauft.
5. Unser bestehendes Geld ist schon eigentlich ein Gesell-Geld, denn es verliert seine Kaufkraft zusehends. Dass wir dazu noch in einer Konsumgesellschaft leben, lässt sich wohl kaum bestreiten. Wie man unschwer erkennen kann, geht es den Menschen deshalb nicht besser, sondern offensichtlich sogar schlechter. Die Staatsinterventionen und Geldverwässerung haben, wie voraussehbar, nicht die angestrebte Wirkung erzielt, vielmehr haben sie die (vordergründigen?) Ziele konterkariert! Seit 2008 wurden Billionen in den Markt gepumpt – und trotzdem steigt die Arbeitslosigkeit, verfallen Infrastruktur und Gesellschaften und Innovation sucht man so gut wie vergeblich. Wobei sich die negativen Auswirkungen dieser Interventionen erst noch zeigen werden. Man hätte am Beispiel Japans schon unschwer erkennen können, dass diese geldpolitischen Interventionen nicht bloss nichts nützen, sondern ganz offensichtlich kontraproduktiv und menschenfeindlich sind. Statt die Wirtschaft gesunden zu lassen, wurde die Krankheit hinausgezögert und die Menschen, insbesondere Mittelstand und ärmere Schichten enteignet, währenddem die Superreichen anerkanntermassen davon profitierten. Ganz abgesehen davon, dass diese Krisen durch eine falsche Politik ausgelöst wurden. Die Mächtigen, die meinen, sie wüssten, was gut sei für die Menschen, verkennen, dass sie das nicht wissen können.

6. Auch Gesellgeld, das auch Freigeld genannt wird, hat nichts mit freiem Geld zu tun. Es ist ein Papiergeld, das nicht von den Menschen gewählt, sondern von der Staatsmacht durchgesetzt werden soll. Der hart erarbeitete Lohn kann dann mit einem Federstrich gekürzt werden, ohne dass sich jemand dagegen wehren kann. Enteignung und Diebstahl unter fadenscheinigen aber umso populistischeren Gründen werden legalisiert.

7. Auf die angestrebte kommunistische Bodenreform gehe ich hier nicht weiter ein, da sie ausserhalb der Zielsetzung dieser Webseite liegt. Wer aber glaubt, die Besitzer von Grund und Boden würden freiwillig auf ihr Eigentum verzichten, hat nichts aus der Geschichte gelernt. Ohne Gewalt geht das nicht. Das zeigt deutlich, worauf diese Initiative hinausläuft:
Staatsmacht statt Freiheit,
Neid statt dankbarer Anerkennung der Leistung anderer im Dienste der Menschen,
Kommunismus statt Eigentum,
Umerziehung der Menschen statt Vielfalt, Selbstbestimmung, Toleranz und Wertschätzung.
Und so weiter.

Fazit

Auch das Schwundgeld ist nicht bloss untauglich, sondern geradezu verheerend. Eine realitätsferne Ideologie, aufgebaut auf falschen Prämissen, den Himmel auf Erden versprechend, die Hölle durch die Hintertür liefernd.

Autor: Oeconomicus criticus