Auszüge aus Emails von Oeconomicus Criticus

… und Fabian geht von der irrigen Annahme aus, die Bank verleihe das Geld (dasselbe Geld) der Kunden x Mal. Derweil verleiht die Bank, wie wir wissen, kein Geld, sondern sie gibt Kredit – eben auch so ein Wort, das die Wenigsten verstehen, da sie nie darüber nachsinniert haben (und immer von ihrer eigenen Brieftasche, ihrem falschen Denken ausgehen). Heute sprechen selbst Banken von Darlehen. Es ist im Geldsystem (wie andernorts) ein wahres Babylon. Die Leute verstehen die Wörter und Worte nicht mehr und verwenden sie daher undifferenziert, was wiederum das Nichtverstehen geradezu nach sich zieht. Man kann sich nur mit anderen unterhalten, wenn man die richtigen, zutreffenden Wörter benutzt, andernfalls redet man aneinander vorbei.

… Dass ich recht habe, ist ja offensichtlich. Müsste die Bank einen faulen Kredit mit dem Gold in ihrem Tresor decken, lautete die Buchung ja: Gold an Forderung. Das hiesse, dass sich das Gold, da Aktivum, bei einem Forderungsausfall vermehren würde – lächerlicher geht es nicht mehr; da hätte die Bank ja an jedem Kreditausfall ihre wahre Freude! Kreditausfall = Goldgrube? Grööööööööööl! Nein, die Bank muss den Kreditausfall via GuV ausbuchen, denn die GuV ist die ertragssteuerrelevante Rechnung; der Debitorenverlust verkürzt den Gewinn und daher die geschuldete Steuer – und schliesslich das Eigenkapital der Bank. Das sind einfach nur Buchungen des ersten Buchhaltungssemesters und keinesfalls höhere Buchhaltung. Buchungen also, die jeder nicht ganz vertrottelte Buchhalter aus dem Effeff schütteln können muss.