Ein scharfer Wind

„Ein scharfer Wind fegt um die Ecken!“
Als Außendienstmitarbeiter eines unserer Lieferanten kenne ich ihn schon seit mehr als 10 Jahren. Wir sprechen offen miteinander.
„Die Banken spielen verrückt! Im Moment geht es um die Kreditlinie des kommenden Jahres und wir haben angeblich ein schlechteres Rating als letztes Jahr, wegen unserer Außenstände.“
Das kommt mir bekannt vor.
Auch unsere Kunden zahlen immer schleppender, Außenstände wie zur Zeit hatten wir noch nie.
„Das Verrückte ist, das wir den Eindruck haben, daß denen selbst der Frack brennt!“
Er meint die Banken, und auch das kommt mir bekannt vor.
„Die wissen nicht, wie es weiter geht und machen erst mal gar nichts, außer soviel Geld wie möglich im Keller festzutreten.“
Unsere Bank hat erstmals nach über 20 Jahren kein Angebot für die Verlängerung eines Kredites gemacht.
„Ich kann mir nicht vorstellen, daß wir schon durch das Tal der Tränen durch sind. Wenn schon die Banken kein Geld mehr verleihen, und das tun sie nicht, weil sie wegen Basel 3 ihre Eigenkapitalquote erhöhen müssen, wie sollen all die Mittelständler in Deutschland ihre Geschäfte finanzieren?“
Ich setze noch einen Kaffee auf, höre mir Geschichten aus dem Leben eines Handelsvertreters an und sehe nebenher auf den Bildschirm meines Mac.
„Irlands Premier kann nicht mehr ausschließen, daß sein Land um Hilfe bei der EZB bittet.“
Schulden. Mehr Schulden.
Noch mehr Schulden.
„Ein scharfer Wind weht um die Ecke.“
Das sagte er schon.
Nur wußte er da noch nichts vom Sturm in Irland.

In diesem Beitrag der „Süddeutschen“ werden die geplanten Änderungen im Bankensystem, kurz „Basel 3“ genannt, erläutert. Die Auswirkungen auf die Unternehmen werden dabei als „gering“ eingeschätzt. Das erleben mein Außendienstler und ich völlig anders. Dabei gibt es Basel 3 noch gar nicht!